Wieder Aufrecht gehen

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Wieder Aufrecht gehen

Beitrag von SabineJMF am 25.04.15 7:57

Hallo,
bisher habe ich vom Lesen eurer Beiträge profitiert, jetzt möchte ich auch gerne etwas weitergeben. Seit meiner Diagnose und der Erfahrung, dass die medikamentöse Einstellung mich nicht zufrieden stellt und einigen anderen Erfahrungen/Erlebnisssen habe ich mich auf die Suche nach alternativen Methoden gemacht. So bin ich zufällig während einer Mutter-Kind-Kur, zwar interessiert, aber mit großen Ängsten (mein erstes Reiterlebnis in der Kindheit war traumatisch), auf ein speziell ausgebildetes Therapiepferd gestiegen. Ohne ein fast grenzenloses Vertrauen zu der begleitenden Therapeutin und dem unendlich Ruhe ausstahlendem Pferdeführer, hätte ich dies wohl nicht geschafft. Dies hat aber nicht mit der Therapie zu tun oder dem Pferd, sondern ausschließlich mit meinen Kindheitserlebnissen. Ich erwähne es nur, um Mut zu machen, all jenen, die sagen werden: Gut, aber Pferde sind nichts für mich.
Ich selbst habe meine Ängste überwunden, ich habe Respekt vor Pferden, betrachte sie als Lebewesen und im speziellen als "Therapiegerät". Letzteres mögen mir die Reiter unter euch nachsehen.
Aber nun zum Eigentlichen: Trotz meiner Ängste konnte ich bereits aus der ersten Hippotherapie etwas ganz Entscheidendes mitnehmen: Ich habe gerade auf dem Pferd gesessen (ging auch gar nicht anders), ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich zuletzt so gerade gesessen habe. Ein unbeschreiblich tolles Gefühl vom Pferd in aufrechter Position so sanft hin unf her geschaukelt zu werden. Selbst nach dem Absteigen und Erstmal-wieder-steif-sein von dem Nicht-die Beine-bewegt-zu-haben, spürte ich noch 1-2 Stunden diese tolle Gefühl. Nach der 2. Therapiestunde konnte ich dieses Gefühl länger spüren und ich wurde auch von anderen Personen, die nichts von der Hippotherapie wussten, darauf angesprochen, dass ich aufrechter gehe.
Leider gag es nur 2 Einheiten und keine Möglichkeit dort, dies Ereignis privat zu wiederholen. In einigen Parki-Kliniken wird jedoch Hippotherapie mit mehr Einheiten angeboten.
Zurück zu Hause habe ich mich bemüht ebenfalls eine Hippotherapie zu machen. Leider fand ich keinen Platz, außer auf Wartelisten. Meine Haltungsinstabilität verschlimmerte sich gravierend, diverse Medikamenteneinstellungen, Höherdosierungen, KG, etc. halfen nichts. 7 Monate nach der 1. Hippotherapie ging ich vorn übergebeugt nach rechts kippend unter Schmerzen nur noch wenige Schritte. Mit Hilfe von Krücken ging es besser, aber auch keine Lösung. Auch ein Rollator erschien mir nicht wirklich hilfreich.
Dann kam die Wende mit einer neuen Therapieidee, die ich mit meiner Ergotherapeutin entwickelt habe. Ich war zumindest wieder in der Lage, dass meine Muskeln wieder bereit waren, meine Trainingseinheiten in Muskelmasse umzusetzen. Bin z.Zt. immer noch dabei meine Muskeln weiter aufzubauen. Geradere Haltung kostete mich aber viel Kraft und Koordination, dass ich nach kurzen Strecken wieder pausieren musste. Durch glückliche Umstände kam ich dann doch im Februar in den Genuß eines Hippotherapieplatzes. Seit dem war ich bereits 8mal dort mit durchschlagendem Erfolg: Ich kann jetzt immer öfter über Tag mal aufrecht gehen. Dies lässt bisher noch bald wieder nach. Ich bin aber sicher, dass sich mein Gesundheitszustand noch weiter verbessern lässt. Meine Hippotherapeutin ist zwar in der KG mit Parkinson konfrontiert, doch ich bin ihre 1. an Parkinson erkrankte Hipporeiterin. Sie ist ebenfalls begeistert von meinen Fortschritten. Leider ist es nicht möglich, dies auf Rezept oder Verordnung zu bekommen und somit bleibt es ein teures Vergnügen. Mir ist es jedoch jeden Cent wert.
Wenn es interessiert, schreibe ich gerne, wie man die Hippotherapie-Adressen findet, was sie kosten, etwas theoretisches, ... usw.
Es würde mich ja doch mal interessieren, was die Reiter unter uns davon halten? Zeigt Reiten ähnliche Effekte, obwohl die Sitzhaltung und Beinstellung meines Wisssens anders sind?

Gruß Sabine


Im Leben geht es nicht darum zu warten, dass das Unwetter vorbeizieht, sondern zu lernen im Regen zu tanzen.

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Re: Wieder Aufrecht gehen

Beitrag von musongi am 20.06.15 10:15

genial, ich habe eine Freundin (kein parkinson) die erzählt such so unglaubliche Geschichte mit den Pferden. sie wird jubeln und mich wohl dazu motivieren. Ähnliche Erfolge wurden auch bei kranken mit Delphine, Kamele, Hunde erlebt. darum kann ich mir das sehr gut vorstellen und freue mich mit dir. viel Spaß und Freude weiterhin dabei. Lg Sonja
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Re: Wieder Aufrecht gehen

Beitrag von SabineJMF am 21.06.15 5:43

Du solltest es wirklich mal ausprobieren. Einfach genial, diese wiedergewonnene Erfahrung des geraden Sitzens. Ich versuche diese Erfahrung abzuspeichern und im Alltag wieder abzurufen. Gelingt zumindest immer kurz und verschaft mir eine kurze Verschnaufpause vom Schiefsein. Bereits der 3. Neurologe sagt, dass ich eine Haltungsinstäbilität habe, die meist nur im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf auftritt und medikamentös kaum zu behandeln ist. Die Hippotherapie hat zumindest die weitere Verschlechterung aufgehalten und m.E. zu einer Verbesserung geführt. Mein Neurologe belächelt dies nur.
Schade, dass diese Therapie wie so vieles andere nicht von der Krankenkasse finanziert wird. Solltest du keine Probleme mit der Haltung, dem Vornübergebeugtsein oder einer extremen Schiefhaltung (wie bei mir Pisasyndrom) haben, kannst du es ja mal Spasses halber ausprobieren. Auf einen fortlaufendenen Therapieplatz wartet man zumindest bei uns sehr lange.

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Re: Wieder Aufrecht gehen

Beitrag von odin am 21.06.15 7:11

Hallo Sabine,

ich reite schon seit über 20 Jahre und hab meine eigenen
Pferde hinter dem Haus, ich kann Dir nur zustimmen, ich mach zwar kein Therapeutischesreiten, aber mein Gleichgewicht ist nach jedem ausritt verbessert,
Ich mag lange ausritte durch die Natur, was aber leider durch den Parki nur noch bedingt möglich ist.


Gruß Odin
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Re: Wieder Aufrecht gehen

Beitrag von Biba am 05.11.16 11:05

Hallo Ihr Lieben,

Ich mußte mich leider von meinem Kaltblut Pferd trennen wegen Scheidung und mein Welsh Cob, den ich 17 Jahre hatte,war nicht geeignet für unsere Krankheit. Er hat oft gescheut und ich hab zu spät reagiert. Er war chronisch unterfordert und ich habe mich schweren Herzens getrennt.
Ich hab mir ein kleineres Tinker Pony gekauft, von einem Ponyhof .eine Schlaftablette und geländesicher.
Nach dem reiten schlurfe ich nicht mehr und bin ganz locker. Ich bin froh,dass ich diese Möglichkeit habe.
Ich kann reiten nur empfehlen.
LG
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Re: Wieder Aufrecht gehen

Beitrag von Blue am 06.11.16 20:40

Hallo,
auch ich durfte schon einige Stunden Hippotherapie machen. Leider übernimmt die Kasse nicht kosten. Nach den Therapiesitzungen war ich für bis zu zwei Stunden immer völlig aus der Bahn geworfen, aber danach war eine deutliche Besserung zu spüren. Ich fühlte mich total geerdet und konnte mich von meinem Raum-Lage-Gefühl deutlich besser einschätzen und auch bewegen. Für mich war die Hippotherapie zwar auch sehr anstrengend, aber anders als andere Therapien, in denen man immer nur seine Schwächen aufgezeigt bekommt. Wenn man es schafft, sich auf das Pferd und die Therapeuten voll einzulassen, ist es eine ganz tolle Sache.
LG Blue
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Re: Wieder Aufrecht gehen

Beitrag von WeissenPeter am 01.02.17 16:36

Auch wenn ich mir beim Reiten meine durch einen Autounfall angeknacksten und von Osteoporose "angemorschten" Wirbel endgültig gebrochen habe, kann ich mich all meinen Vorherschreiberinnen und -Schreibern nur anschließen. Einerseits ist es ein majestätisches Gefühl, hoch zu Ross durch die Landschaft zu reiten und andererseits tut die Bewegung, bei der du eine Beziehung mit dem Pferd eingehst,  gut. Das Pferd bewegt dich und du bewegst das Pferd. Und von der geballten Kraft und Geschmeidigkeit eines Pferdemuskels lässt sich sogar mein Parki beeindrucken und erweichen...

Jetzt bin ich leider vorerst einmal gegroundet, bis meine Wirbel wieder heil sind, aber ich denke, ich werde es dann wieder wagen...
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Re: Wieder Aufrecht gehen

Beitrag von Biba am 03.02.17 12:47

Es kommt auch auf das Pferd an! Einen Feuerstuhl will ich nicht mehr haben Smile
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